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September
2002: ein Interview mit Dr. Susan Hayflick und Jason Coryell Übersetzung mit freundlicher
Genehmigung der HSSA: Neurodegeneration
mit Eisenspeicherung im Gehirn (früher Hallervorden-Spatz-Syndrom) ist,
wie manche von Ihnen wissen, eine schwer zu verstehende und beunruhigende
Erkrankung. Es gibt vieles, was wir darüber noch nicht wissen. In dem
folgenden Interview versucht Dr. Susan Hayflick, eine Humangenetikerin und
Kinderärztin an der Universität von Oregon (Oregon Health and Science
University, OHSU) einige Rätsel dieser Krankheit zu erklären. Sie
forscht seit 1992 auf dem Gebiet der NBIA und hat das Gen gefunden, dessen
Veränderung die häufigste Form der NBIA verursacht. Ihre Ansichten mögen
in Einzelheiten abweichen von denen anderer Wissenschaftler, die auch auf
diesem Gebiet arbeiten. F: Was verursacht NBIA? In der Tat ist NBIA wahrscheinlich
mehr als nur eine einzelne, bestimmte Krankheit. Es ist eher eine Gruppe
untereinander ähnlicher Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Die häufigste
genetische Variante von NBIA wurde 2001 definiert, als Forscher an der
Universität von Oregon (OHSU) zeigen konnten, dass mindestens 50% der
NBIA Patienten Mutationen im Gen PANK 2 haben. Die Krankheitsform von
Patienten mit Mutationen in diesem Gen wird als PKAN bezeichnet
(Pantothenate Kinase Associated Neurodegeneration). Die Patienten, die
diese Mutationen nicht haben, leiden auch an einer Form von NBIA – wir
wissen aber noch nicht, welches Gen für ihre Krankheit verantwortlich ist. Bei
allen Fällen von PKAN und bei den meisten Fällen von NBIA ist die
Krankheit rezessiv vererbt. Dies bedeutet, dass der Patient mit NBIA
jeweils eine Kopie des defekten Gens von jedem Elternteil gerbt hat. Die
Eltern haben keine gesundheitlichen Probleme und werden als Träger dieser
Krankheit bezeichnet. F: Was sind die Symptome der NBIA und
wann treten diese bei den Patienten auf? Die Bewegungsstörung betrifft häufig
auch die Sprache und wahrscheinlich den Schluckakt. Die Kombination von
Sehbehinderung und Dystonie ist die Ursache für häufige Stürze. Es gibt
auch eine Form von PKAN, die bei Jugendlichen oder Erwachsenen beginnt und
als erstes Symptom zumeist Sprachprobleme zeigen (Wiederholungen,
schnelles und verwaschenes Sprechen). Andere Probleme sind Störungen in
den Denkprozessen (Demenz) oder plötzliche Stimmungsschwankungen. Die
typische Bewegungsstörung tritt zumeist später auf und schreitet
langsamer fort als bei der frühkindlichen Form der Krankheit. Andere Formen der NBIA zeigen
ebenfalls Bewegungsstörungen, können aber auch mit anderen Symptomen wie
Anfällen oder Verzögerung der geistigen Entwicklung einhergehen. F: Wie behandeln Ärzte Patienten mit
HSS? Die
Behandlungspläne unterscheiden sich von Patient zu Patient. Ein
bestimmtes Behandlungsregime ist nicht bei jedem Patienten gleichermaßen
wirksam, da es verschiedene genetische Formen der Erkrankung gibt und das
Ansprechen eines einzelnen Patienten auf die Medikamente unterschiedlich
sein kann. Die Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Familien und ihrem
Neurologen ist notwendig, um Kombinationen und Dosierungen von
Arzneimitteln zu finden, auf die der jeweilige Patient am besten anspricht. F: Warum gibt man nicht ein
Medikament, das das Eisen aus dem Gehirn entfernt? F. Bitte erklären Sie, wie die
ererbten Gene NBIA verursachen. Gene,
die durch die Ei- und Samenzellen an die Nachkommenschaft weitergegeben
werden, sind „Blaupausen“ oder „Schablonen“, die Anweisungen für
die Entwicklung des entstandenen Embryo beinhalten. Die Gene sind in
Strukturen verpackt, die als Chromosomen bezeichnet werden. Wir erben die
Hälfte unserer Chromosomen von unserer Mutter (mit der Eizelle) und die Hälfte
von unserem Vater (mit der Samenzelle). Also stammt jeweils die Hälfte
unserer Gene von einem Elternteil. PKAN ist eine autosomal rezessiv
vererbte Krankheit. Dies
bedeutet, dass zwei Kopien des fehlbuchstabierten (mutierten) Gens, eines
von jedem Elternteil, erforderlich sind, um die Krankheit in Erscheinung
treten zu lassen. Andere Formen der NBIA sind wahrscheinlich ebenfalls
durch derartige Mutationen bedingt, aber in anderen Genen. F: Wie groß ist die
Wahrscheinlichkeit, dass HSS in einer Familie erneut auftritt, die bereits
ein erkranktes Kind hat? Wenn ein Elternteil, der Träger ist,
ein Kind mit einem anderen Partner bekommt, ist das Risiko wahrscheinlich
viel geringer, sofern der neue Partner mit dem Träger/der Trägerin (und
somit mit dem kranken Kind) nicht blutsverwandt ist, ist die Chance, dass
auch er/sie Trägerstatus besitzt, sehr gering. Ebenso reduziert eine
Schwangerschaft mit einer Samen- oder Eispende die Möglichkeit eines
weiteren kranken Kindes. Die Wahrscheinlichkeit, Träger für eine Form
der NBIA zu sein liegt in der Gesamtbevölkerung ungefähr zwischen 1:275
bis 1:500. Sofern Sie mit einem Patienten, der
an einer Form von NBIA erkrankt ist, blutsverwandt sind und Kinderwunsch
haben, können Sie die Risiken und die möglichen Untersuchungsverfahren
mit einem Humangenetiker in Ihrer Nähe besprechen. F: Berichten Sie etwas über Ihre
Forschungsarbeiten: Wie führt der Gendefekt zu einer
Eisenspeicherung im Gehirn? F: Wie weit ist Ihre
Forschung? F: Was können NBIA Familien tun, um
die weitere Forschungsarbeit zu unterstützen? Wir haben ein internationales
Register, in dem wir klinische Informationen und biologisches
Untersuchungsmaterial (Blut- und Gewebeproben von einigen Familien)
sammeln. Familien, die an unserer wissenschaftlichen Arbeit teilnehmen
wollen, können Kontakt zu uns aufnehmen unter Dr. Susan Hayflick, Phone
001/503/494-4344, E-mail: coryellj@ohusu.edu.. Wir werden diese Kontakte und die klinischen Informationen in unser Register aufnehmen. In einigen Fällen würden wir gerne medizinische Berichte haben, um die klinischen Informationen besser verstehen zu können. In anderen Fällen werden wir vielleicht um Blutproben von Familienmitgliedern für die laufende oder zukünftige Forschung bitten. Da es sich um eine seltene Erkrankung handelt, kann die Übermittlung Ihrer Informationen ein wertvoller Beitrag sein, der uns hilft, die Richtung unserer zukünftigen klinischen Forschung zu erkennen und zu planen. |